Paul´s Kutschen 1x1

Wagentypen/-gruppen:

Phaeton (Zweispänner), Dogcart (Einspänner), Gig, Jagdwagen, Break (Mehrspänner).

Eine Vielzahl von anderen Wagen haben andere Bezeichnungen, gehen aber im Grunde immer auf die bezeichneten Wagentypen zurück (z.B. Wagonette, Kalesche, Vis à Vis, Kippkarre,..)

Wagenkriterien sind Stabilität, Leichtigkeit, Lenkbarkeit und Sicherheit.

Ausstattung:

Bock:

Der Fahrer sitzt erhöht auf der rechten Seite des Wagens (Bock). Durch diese Position kann der Fahrer die Pferde gut beobachten.

Spritzbrett:

Zum Schutz gegen hochspritzenden Schmutz befindet sich vor den Beinen des Fahrers das Spritzbrett.

Räder:

Die Beschaffenheit der Wagenräder beeinflusst die Ausnutzung der Zugkraft in hohem Maße. Je größer das Rad ist, desto leichter rollt das Gefährt. Eine breite Spurbreite erhöht die Sicherheit des Wagens.

Feder und Achsen:

Die Federn sind mit den Achsen und damit mit den Rädern verbunden. Die vordere Verbindung des Wagens zur Achse wird durch den Drehkranz gebildet, der es ermöglicht, dass der Wagen zu wenden ist. In fester Verbindung zur Vorderachse, den Federn am vorderen Wagenkasten und zum Drehkranz steht die „Brake“,
auch Sprengwaage genannt, an der die Anspannung der Pferde erfolgt.

Anspannung:

Die Anspannung kann in drei Arten erfolgen: Mit Ortscheiten an der festen Brake (Sport, Freizeit) mit feststehenden Docken auf der Brake (nur Kumt) oder mit Spielwaage (Landwirtschaft). Zum einspännigen Fahren benötigt der Wagen eine Schere, das sind zwei leicht gebogene und an der Brake am Vorderteil des Wagens angebrachte Stangen, zwischen denen das Pferd geht. Im vorderen Drittel der Schere befinden sich die Befestigungsmöglichkeiten für das Geschirr. Die Deichsel wird zum zwei- oder mehrspännigem Fahren verwendet. Sie dient zum Lenken des Fahrzeugs, zum Aufhalten (Bremsen) und ggf. zur Befestigung zum Vorspannen weiterer Pferde. Sie ist am Drehkranz des Wagens befestigt und wird von den Hälsen der Pferde getragen.

Bremse / Beleuchtung:

Zum pferdeschonenden Fahren gehört unbedingt eine Bremse. Wie alle im öffentlichen Straßenverkehr teilnehmenden Fahrzeuge, muss auch das pferdebespannte Fahrzeug eine ständig betriebsbereite Beleuchtung haben, nach vorne weiß, nach hinten rot. Sie muss gut sichtbar angebracht sein.

Kleidung:

Der Fahrer trägt stets eine Kopfbedeckung, Zum Schutz gegen Witterungseinflüsse und Schmutz hat er eine Schürze (Bockdecke) umgebunden. Die Jacke ist wiederum abhängig von der Anspannungsart. Fahrhandschuhe sind quasi unerlässlich. 

Kutschenpferde:

Grundsätzlich eignen sich erst mal alle Pferderassen zum Kutschfahren. Bei der Wahl der Pferde kommt es also auf den Einsatz an (Freizeit, Turnier, Gelände …).

Ausbildung:

hier steht an erster Stelle oft der Grundsatz des Achenbach- Fahrsystems:

  • Zweckmäßigkeit
  • Sicherheit
  • Pferdeschonung

Aschenbach (*1861) wurde wegen seiner „Entwicklung des pferdeschonenden Fahrsystems“ in den Adelstand erhoben.

Meist erfolgt die Ausbildung nach 6 Schwerpunkten:

Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten, Versammlung.

Zur Vorbereitung der Fahrausbildung gehört die Gewöhnung an das Geschirr, dann folgen die  Kommandos wie „Komm“ und „Halt“ usw. Es geht weiter mit Arbeit an der Longe, Anspannen an die Schleppe, Arbeit am Wagen usw.

Ganz wichtig sind auch das Einhalten von Regeln und Gesetzen (Naturschutz, Betreten von  Flur und Wald, Tierschutzgesetz …) Die Ausbildung ist sehr umfangreich und ihr Inhalt kann hier nur in Ansätzen dargestellt werden. Allein bei der Leinenhaltung unterscheidet man die Grundhaltung, die Gebrauchshaltung und die Dressurhaltung. Es würde zu weit führen, hier noch mehr ins Detail zu gehen.

Fahrerabzeichen (= „Kutscher-Führerschein“)

„Kleinen Fahrerabzeichen“ (ca. 350€)
„Bronzene Fahrerabzeichen“ (ca. 400€)
„Silberne Fahrerabzeichen“ (ca. 1000,--€)
„Goldene Fahrerabzeichen“ (wird von der FN verliehen)
Meist dauern die Ausbildungen ca. 6 Wochen bei ca. 4 Treffen pro Woche.

Die FN – Deutsche Reiterliche Vereinigung

Die FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung) ist die Spitzenorganisation für den Reit- und Fahrsport sowie für die Pferdezucht und Prüfung deutscher Pferde. Die Abkürzung FN bedeutet Fédération Equestre Nationale. Die FN legt die Bestimmungen für Pferdeprüfungen aller Art fest, ob es sich dabei um Zucht oder Sport handelt, um Ausbildung oder Haltung. In der LPO (Leistungsprüfungsordnung) werden z.B. Kleiderordnung, Gewichtsklassen usw. festgehalten.

Arten des Kutschenfahrens:

Freizeit-, Wander-, Traditions- und Turnierfahrer

Mehrspänniges Fahren

Neben Zwei- und Vierspännern gibt es auch Troika, Einhorn, Tandem, Random, Juckerzug und Sechserzug. Die Unterscheidung liegt nicht nur in der Anzahl der Pferde, sondern auch in der Anbringung vor der Kutsche.